Rede zum Haushaltsentwurf 2020

vom

Rede des Fraktionsvorsitzenden Thomas Schäfer zur Beratung des Haushalts 2020 in der Stadtverordnetenversammlung

Herr Vorsteher,

werte Kolleginnen und Kollegen,

lassen Sie mich gleich zu Beginn den Mitarbeitern der Verwaltung und besonders des Fachdienstes Finanzen für die Unterstützung bei den Beratungen zum diesjährigen Haushalt danken. Wie üblich haben Sie uns beim Verstehen des Haushaltsentwurfes mit Engagement und Sachverstand geholfen, so dass wir uns eine qualifizierte Meinung über das Zahlenwerk bilden konnten.

Meine Damen und Herren,

im September hat die Frau Bürgermeisterin gefordert, dass im Magistrat eine klare Sicht auf die Stadt von Nöten sei, da wir Stadtverordnete ja einen durch unsere parteipolitisch gefärbte Brille getrübten Blick hätten. Nun, ich habe mir extra eine neue Brille verschreiben lassen, um einen klaren, präzisen und scharfen Blick auf den Haushalt zu haben. Nach allem, was ich dann gelesen habe, erscheint das vorliegende Werk uns als FDP-Fraktion nicht nur geschönt, sondern als hochgradig einsturzgefährdet.

Man kann die Kernbotschaften des Haushaltes schnell zusammenfassen: Unbändiger Optimismus bei den Steuereinnahmen, eine Explosion der Verschuldung, noch mehr Verwaltungspersonal und eine Finanzplanung, die so auf Kante genäht ist, dass sie bei der leichtesten Eintrübung abschmieren wird. Und dazu Veränderungen von Planansätzen, die keine Hoffnung auf Besserung machen. All das kann nur der Vorbote dafür sein, dass die Kämmerin in naher Zukunft die Bürger mit Steuererhöhungen zur Kasse bitten muss.

Aber schauen wir uns doch mal die Bilanz der Kämmerin in den vergangenen Jahren an:

Diese reinen Fakten zeigen, dass wir bei dem vorliegenden Haushalt nicht von einem soliden Papier sprechen können. Die Schönfärberei von Investitionen in die Zukunft, von einem breiten Angebot für unsere Bürger und der Steigerung der Attraktivität der Stadt verdeckt nur, dass wir auf eine ungewisse Zeit zusteuern. Der Haushalt weist bei ehrlicher Betrachtung für die Zukunft eine rote Null aus. Ausbaden werden es die Bürger der Stadt und die örtlichen Unternehmen mit weiteren Belastungen, die ihnen auferlegt werden. Spätestens nach der Bürgermeisterwahl wird die bittere Wahrheit auf den Tisch kommen. Das sage ich Ihnen schon jetzt voraus.

Die nächsten Risikofaktoren zeichnen sich schon am Horizont ab. Ganz vorne mit dabei unsere Feuerwehr. Hier beabsichtigt der Magistrat, immer mehr Elemente einer Berufsfeuerwehr einzuführen und den Stellenplan weiter auszudehnen. Warum wirbt er nicht mehr dafür, dass Bedienstete der Stadt in der freiwilligen Feuerwehr aktiv werden? Warum bevorzugt er nicht Bewerber, die hier aktiv sind, bei der Einstellung? Stattdessen soll es mehr hauptamtliche Feuerwehrleute geben. Die nächsten 20 Mio. € Investitionen für eine neue Feuerwache in Dörnigheim und in Wachenbuchen sind auch schon in Vorbereitung.

Ganz still und leise wird ein umfassender Umbau des Mainufers zur Auen-Landschaft vorbereitet. Es gibt ja mindestens 80% Zuschüsse aus Steuerzahlergeld vom Bund und vom Land, da fallen die wenigen Millionen nicht mehr ins Gewicht, die die Maintaler Bürger zusätzlich zu schultern haben. Dafür sollten sie aber schon einmal Vorräte von Mückenspray anlegen.

Die wirtschaftliche Lage trübt sich immer mehr ein. Eine Rezession steht wohlmöglich bevor. Ein nie gekannter Strukturwandel unserer Industrie ist in vollem Gange. Wann werden die ersten Steuereinbrüche in Maintal kommen? Wie sieht es aus, wenn die steigenden Baukosten, die wir überall feststellen können, sich auf die Projekte in Maintal niederschlagen? Ein noch teureres Bürgerhaus in Bischofsheim, ein Schwimmbadneubau, der dann weit über 20 Mio. € kostet, was passiert dann mit diesem Haushalt und mit der MBG? Was passiert, wenn in den kommenden Jahren doch mal wieder richtige Zinsen auf Kredite gezahlt werden müssen? Die Kredite, die wir heute beschließen, werden erst in Jahren tatsächlich aufgenommen werden.

Mit großer Sorge sehen wir die aktuelle Entwicklung der städtischen Gesellschaften. Einerseits werden die defizitären Gesellschaften mit immer mehr Ausgaben belastet, so das Maintalbad und die SVM. Elektrobusse und kostengünstiger ÖPNV sind schön und gut, aber das Defizit des Busverkehrs wird damit weiter erhöht. Die MIG soll sich als städtische Gesellschaft um den preiswerten Wohnungsbau kümmern. Dazu wird sie aber mehr Förderprogramme der Stadt benötigen, die noch nirgends abgebildet sind. Und die einzige Gesellschaft, die mit ihren Gewinnen das ganze finanziert, die MWG, geht schwierigen Zeiten entgegen, weil die Erträge nicht so schnell steigen, wie die Kosten. Die Alarmzeichen der Geschäftsführungen unserer Beteiligungsgesellschaften sprechen Bände, nur spüren wir kaum, dass die Maintaler Politik sie registriert, geschweige denn ernst nimmt.

Als Fraktion der finanzpolitischen Vernunft können wir diesem Haushalt, so wie er vorliegt, nicht zustimmen. Wir können zumindest in Ansätzen aufzeigen, wie man umsteuern muss, um den Haushalt in die richtige Richtung zu bekommen. Und dies haben wir mit unseren insgesamt 29 Änderungsanträgen gemacht. Hierzu ein paar Schlaglichter:

Alles in allem wollen wir das Ergebnis des Verwaltungshaushaltes in 2020 um ca. 580.000 € verbessern und rund 3,0 Mio. € aus der Investitionsplanung 2020 rausnehmen. Darin sind auch die Änderungen anderer Fraktionen enthalten, die wir unterstützen. Wir wissen, dass dies nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung ist, dennoch ist es ein Anfang. Denn eines wollen wir ganz bestimmt nicht sein: Diejenigen, die eine Erhöhung der Grundsteuer oder der Gewerbesteuer in Maintal zu verantworten haben.

Wir wissen, dass es hier in der Stadtverordnetenversammlung Fraktionen gibt, die unter nachhaltiger Politik verstehen, auf Teufel komm raus zu investieren. Schließlich kosten Kredite die Stadt aktuell fast nichts. Wir wissen, dass es Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung gibt, die unter Politik für die Maintaler Bürger verstehen, dass die Stadt alles selbst macht. Wir wissen auch, dass es Fraktionen hier im Hause gibt, für die Klimaschutz bedeutet, nicht nur den Bürgern mehr Vorschriften zu machen, sondern auch, dass die Verwaltung erstmal ordentlich mehr Stellen auf Lebenszeit erhält, also Staatsdienst und Verbotskultur gegen den Klimawandel. Aber genauso wenig wie die Bürgermeisterin stellen sich diese Fraktionen hier hin und beantragen eine Erhöhung der Maintaler Steuern, um ihre Pläne zu finanzieren. Das halten wir für eine Vorspiegelung falscher Tatsachen gegenüber den Bürgern.

Für uns ist das der falsche Weg. Deshalb werden wir die auf diesen falschen Weg abzielenden Änderungsanträge ablehnen. Es geht nicht nur darum, unseren Kindern eine intakte Umwelt zu hinterlassen, es geht auch darum, unsere Kinder nicht finanziell auszubluten durch Steuererhöhungen und Schuldendienste. Wir wissen, dieser Weg ist nicht populär und schafft keine schöne Bilder von Spatenstichen und Einweihungen. Aber dieser Weg ist Ausdruck verantwortungsvoller Politik für das Heute und das Morgen Maintals.

Wir stehen auch nicht dafür zur Verfügung, in einer Nacht- und Nebelaktion mit diesem Haushalt mal eben die langjährige Übereinkunft zur Entwicklung des geförderten Wohnraums über Bord zu werfen. Wenn hier eine Fraktion beantragt, dass 40% aller Wohnflächen, die über städtebauliche Verträge errichtet werden sollen und fast alle Flächen, die die MIG entwickeln soll, dem geförderten Wohnungsbau zuzuführen sind, dann ist dies nicht nur ein Abkehr von bisherigen Beschlüssen. Es ist ein faktischer Stopp jeglicher vernünftigen Wohnraumentwicklung. Wir wollen nicht, dass Maintal zum Auffangbecken des in Frankfurt gescheiterten sozialen Wohnungsbaus wird. Das aber bedeutet der vorgelegte Antrag. Wir bleiben bei dem vernünftigen Weg des Stadtentwicklungskonzeptes mit einem ausgewogenen Mix der Bauformen beim Wohnungsbau.

Herr Vorsteher,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

Wir stehen vor großen Herausforderungen. Wir sind dazu aufgefordert, für die finanzielle Stabilität in Maintal zu sorgen, die der Haushaltsentwurf nicht bietet. Deshalb werbe ich für eine Unterstützung unserer Haushaltsanträge.

Ob und inwieweit wir am Ende uns zum Haushalt verhalten werden, kann ich jetzt noch nicht sagen. Das werden wir entscheiden, wenn wir das Endergebnis der Beratungen kennen und wissen, ob der Haushalt sich spürbar verbessert hat und keine fatalen politischen Fehlentscheidungen enthält.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Die Rede als Download: Haushaltsrede_2019_v2

Die FDP-Haushaltsanträge als Download: Vorlage – Anträge der Fraktionen HH2020_FDP_v3